Autismus als Bewegungsblindheit

Part 2: Wahrnehmung

Im ersten Teil der Theorie zur Bewegungsblindheit ging es um die Herleitung der Theorie. In diesem Artikel wird es um die Wahrnehmung gehen, die in der Fachwelt auch Perzeption genannt wird. Mit dem Begriff "Perzeption" (lateinisch perceptio, percipere - erfassen, ergreifen, wahrnehmen) wird einerseits die Gesamtheit der Vorgänge der Wahrnehmung ausgedrückt, andererseits werden durch diesen Begriff die Inhalte der Wahrnehmung selbst beschrieben.

Mittels der Sinnesorgane nehmen wir Sinnesreize wahr. Wir sehen, hören, riechen, schmecken und tasten bzw. fühlen. Mit der Aufnahme allein ist es jedoch nicht getan. Vielmehr setzt sich erst durch die Wahrnehmung ein Lernprozess in Gang, der unsere Entwicklung - vor allem in der Kindheit - entscheidend beeinflusst.

Kinder sind neugierig. Sie beobachten, entdecken und erkunden ihre Umwelt. So lernen sie, mit entscheidender Unterstützung ihrer Eltern, ein Auto von einem Fahrrad zu unterscheiden. Sie lernen, dass ein Lied anders klingt als die Stimme ihrer Mutter. Sie lernen unterschiedliche Gerüche kennen und erfahren, dass eine Banane anders schmeckt als eine Zitrone und dass Feuer wärmer ist als Eis.

Sinnesreize sind keine Eintagsfliegen, im Gegenteil. Immer wieder sehen wir uns mit ihnen konfrontiert, unabhängig davon, ob wir sie mögen oder abstoßend finden. Und da Übung auch hier den Meister macht und uns der tägliche Umgang mit den Sinnesreizen darüber hinaus keine andere Wahl lässt, prägen wir uns diese ein. Dies geschieht mehr oder weniger unbewusst und hat den entscheidenden Vorteil, dass wir die wahrgenommenen Sinnesreize jederzeit wiedererkennen und richtig einordnen können, weil wir die hierfür notwendigen, aber gleichermaßen selektiv-subjektiven Perzepte besitzen.

Natürlich hat man nie alles Gute beisammen. Das mag Phrasendrescherei sein, die aber nichtsdestotrotz auch auf Perzepte zutrifft. Nicht jeder Mensch ist gleich und es ist sowieso jeder Autist anders, weshalb sich das Fehlen wichtiger Perzepte unterschiedlich bemerkbar macht und individuell äußert. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Im Gegensatz zu einem Nichtautisten kann ein Autist fehlende Perzepte nicht einfach bilden, wenn er sie benötigt, weil dies aufgrund einiger Besonderheiten nicht möglich ist.

Zuletzt noch ein kurzer Hinweis: In der Fachwelt wird das Thema Perzeption deutlich differenzierter betrachtet und diskutiert. Doch Differenzierung bedeutet unter anderem Detailarbeit, die bei Lesern nicht zwangsläufig zu einem besseren Verständnis beitragen muss.

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