Autismus als Bewegungsblindheit
Part 1: Herleitung

Eine neue Theorie hält viele Stolpersteine bereit, die zum Hinfallen einladen. Diese Stolpersteine treten leider gehäuft in der Nähe beliebter Querverbindungen auf, die im Zuge einer Analyse bedacht werden müssen. Deshalb möchte ich darauf hinweisen, dass die Bewegungsblindheit-Theorie keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit oder Richtigkeit erhebt. Sie ist, wie es der Name bereits sagt, eine Theorie, die nicht als statisches und absolutes Gebilde betrachtet werden sollte, sondern von weiterführenden Ideen und Gedanken lebt, mittels der sie in ihrer Gesamtheit wächst.

Im Zuge ihrer Entwicklung habe ich häufig die Erfahrung gemacht, dass sich eine Erkenntnis, die ich zunächst als sinnvoll oder richtig eingestuft hatte, wenig später als Holzweg herausgestellt hat. Die Diagnosekriterien, aufgrund derer ich meine Erkenntnisse ermittelt habe, sind kein Holzweg und weitreichend bekannt, sodass ich an dieser Stelle mit ruhigem Gewissen darauf verzichte, sie hier vorab in aller Ausführlichkeit darzustellen. Stattihrer möchte ich zum besseren Verständnis den Begriff der Bewegungsblindheit erläutern.

Die Bewegungsblindheit wird auch als Akinetopsie oder Bewegungsagnosie bezeichnet. In der Medizin und der Psychologie wird mit diesem Begriff die Unfähigkeit oder Beeinträchtigung beschrieben, die einem hiervon Betroffenen das Bewegungssehen oder das Erkennen von Bewegungsrichtungen und Geschwindigkeiten erschwert oder unmöglich macht und von der Patienten berichten, das sie Bewegungen als Abfolge statischer Bilder wahrnehmen. Für diese Beeinträchtigung gibt es aktuell keine Therapie- oder Heilungsmöglichkeiten, wie es auch bei einer Störung aus dem Autismus-Spektrum der Fall ist.

Unabhängig davon, und das sei auch nur am Rande erwähnt, habe ich schon öfter von diagnostizierten Autisten gelesen, dass auch sie Bewegungsabläufe nur als Abfolge statischer Bilder wahrnehmen. Möglicherweise besteht hier also ein Zusammenhang zur Theorie der Bewegungsblindheit, die auf der Annahme basiert, dass das Gehirn eines Autisten von Geburt an Schwierigkeiten hat beziehungsweise unfähig ist, Bewegungen zu verarbeiten. Ist die Annahme richtig, wirkt sich diese Beeinträchtigung oder Unfähigkeit nicht nur zuerst, sondern von Geburt an am stärksten auf die visuelle Wahrnehmung aus, denn hauptsächlich nehmen wir Bewegungen mit den Augen wahr.

Ein Mensch, dessen Gehirn Bewegungen nicht verarbeiten kann, wird darauf instinktiv reagieren und die Wahrnehmung der Stärke der Beeinträchtigung anpassen. Autisten tun genau das. Sie kompensieren die Unfähigkeit des Gehirns, indem sie wegsehen oder das Betrachten von Bewegungen grundsätzlich vermeiden, vor allem in der Kindheit. Diese Form der Kompensation, das Vermeiden, ist in den entsprechenden Situationen, die dieses Verhalten erforderlich machen, natürlich hilfreich. Doch über einen längeren Zeitraum hinweg endet diese Form der Kompensation zwangsläufig in einer Entwicklungsstörung, weil sie leider dazu führt, dass wichtige Aspekte des Umfelds durch das Raster der angepassten Wahrnehmung fallen, obwohl sie für die Entwicklung unabdinglich wären. 

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