Autismus anders gedacht

Einst gab es eine Zeit, in der Menschen, sobald sie an die Deutschen dachten, an ein Volk aus vielen überragenden Dichtern und Denkern dachten. Seit mehr als siebzig Jahren ist der Gedanke an das Volk der Dichter und Denker vermutlich nicht mehr der erste, wenn Menschen an Deutsche denken.

Ich frage ich mich oft, woran Menschen zuerst denken, wenn sie an Autismus denken. Denken sie an die Menschen, denen diese Störung angeboren wurde, oder denken sie eher an die öffentliche Meinung, die dieser Störung einen Charakter zuschrieb?

Wenn ich an Autismus denke, dominieren zwei Begriffe meine Gedanken: Urteil und Vorurteil. Ein Urteil steht häufig in Stein gemeißelt und oft scheint kaum jemand gewillt zu sein, ein solches zu hinterfragen oder anzufechten. Ein Vorurteil ist weitläufig, es herrscht vor und wirft nicht selten seine dunklen Schatten voraus. Meistens, ohne dass es hinterfragt wird.

Die „Selbstbezogenheit“, die Menschen mit Autismus einst zugeschrieben wurde und bis heute durch die Verwendung des Wortes „Autismus“ Gültigkeit besitzt, ist die Zusammenfassung vieler auffälliger Verhaltensweisen in einem Wort. Diesen Verhaltensweisen geht gewiss eine Ursache voraus, nach welcher gegenwärtig mit Nachdruck gesucht wird.

Ich frage mich oft, ob es in Anbetracht dieser Tatsache wirklich gerecht ist, dass die Verhaltensweisen, die Menschen mit Autismus zeigen, als etwas grundsätzlich Negatives dargestellt werden. Ich frage mich, ob es wirklich gerecht ist, dass in Anbetracht dieser Tatsache ein Urteil über Menschen gefällt wurde, welches mit zunehmendem Bekanntheitsgrad immer mehr Vorurteile schürt. Ich frage mich, ob es wirklich gerecht ist, dass stets aus der Perspektive dieses gefällten Urteils über Autismus gesprochen wird.

Wer über Autismus spricht, spricht in erster Linie über Menschen. Doch, dieser Gedanke scheint gegenwärtig ebenso verkümmert zu sein wie der Gedanke an das Volk der Dichter und Denker.

Deshalb wäre es für die Zukunft schön, wenn bei dem Wort „Autismus“ nicht ausschließlich daran gedacht wird, mit allen erdenklichen Mitteln und auf Teufel komm raus die auffälligen Verhaltensweisen eliminieren zu müssen, für die es in der heutigen Gesellschaft weder Platz noch Toleranz zu geben scheint. Es wäre schön, wenn bei dem Wort „Autismus“ zuerst an die hiervon betroffenen Menschen gedacht wird, die möglicherweise darunter leiden, dass sie stets als falsch dargestellt werden. Es wäre schön, wenn bei dem Wort „Autismus“ grundsätzlich an Menschen gedacht wird, weil erst dann anders über Autismus gedacht werden kann.

Anna Vaal

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